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Gefässbehandlung

In der Meduna-Klinik ist die Möglichkeit gegeben, bei Erkrankungen der Arterien, Venen und Lymphgefässe verschiedene nicht operative Behandlungsmethoden einzusetzen. Die Art des jeweiligen Behandlungsverfahrens richtet sich nach dem jeweiligen Erkrankungsstadium und den klinischen sowie apparativen funktionsdiagnostischen Untersuchungsbefunden.

Die wesentlichen in unserer Klinik etablierten Behandlungsverfahren sollen in Grundzügen beschrieben werden.

 

Spezielle gefässbezogene Bewegungstherapie

Es ist eine altbekannte Tatsache, dass bei arteriellen und venösen Durchblutungsstörungen ein regelmässiges Bewegungstraining im Sinne eines Gefässtrainings nachhaltige Befundbesserungen bewirken kann. Je nach Krankheitsbild und Einzelfall stehen verschiedene Möglichkeiten der Bewegungstherapie zur Verfügung.

Laufbandergometertraining: Hier legt der Patient eine individuell festgelegte Gehstrecke bei vorgegebener Geschwindigkeit auf dem Laufband zurück. Der Erfahrung nach kann bei regelmässigem Gefäss- und Gehtraining auf dem Laufband die schmerzfrei zurücklegbare Gehstrecke wesentlich verbessert werden. Bei entsprechender Kondition des Patienten kann durch Schrägstellung des Gerätes bei stufenlos veränderbarem Neigungswinkel auch ein kontinuierliches Bergaufgehen bei definierter Steigung erzielt werden. Haupteinsatzpunkt des Laufbandergometertrainings ist die Behandlung der arteriellen Verschlusskrankheit, zusätzlich können auch bei venösen Erkrankungen positive Effekte erzielt werden.

Terraintraining: Hier findet im Unterschied zum Training auf dem Laufbandergometer ein programmiertes Gehtraining im freien Gelände statt. Der Patient legt nach Massgabe eines Intervalltrainings in regelmässiger Abfolge definierte Gehstrecken in der Ebene oder im ansteigenden Gelände zurück. Die Schrittfolge und Gehgeschwindigkeit können durch die Anzahl der Schritte pro Minute festgelegt und mit einem akustischen Taktgeber (Metronom) vorgegeben werden. Einsatzmöglichkeiten und erzielbare Behandlungseffekte sind mit denen des Laufbandergometertrainings vergleichbar.

Venenwalking: Spezielle Form des Gehtrainings, bei der besonders die Wadenmuskelpumpe trainiert wird. Hierdurch wird der zielgerichtete Abstrom gestauten Blutes aus den Beinen gefördert.

Aktive Krankengymnastik: Bei arteriellen Durchblutungsstörungen und Venenleiden können die verschiedenen Muskelgruppen der betroffenen Regionen mittels Krankengymnastik zielgerichtet trainiert werden. Dieses Training bewirkt bei arterieller Verschlusskrankheit eine verbesserte Ausschöpfung des Blutangebotes in der Muskulatur. Bei Venenerkrankungen wird durch eine gezielte Muskelkräftigung die Venenfunktion durch eine Intensivierung der Muskelpumpe unterstützt. Die Mehrzahl der erlernten Übungen kann vom Patienten auch in häuslicher Selbstanwendung durchgeführt werden.

 

Ergänzende bewegungstherapeutische Massnahmen

Neben den aufgeführten spezifischen gefässbezogenen Bewegungstherapien besteht die Möglichkeit, durch ergänzende allgemeine bewegungstherapeutische Maßnahmen auf eine Verbesserung der Gefäss-Situation hinzuwirken.

Schwimmtraining: Durch regelmässiges Schwimmen kann die Durchblutungssituation der Arterien und Venen in den Beinen nachhaltig verbessert werden. Der Trainingseffekt auf die Muskulatur fördert die arterielle Durchblutung, der von aussen einwirkende Druck des Wassers begünstigt durch Kompression eine Tonisierung der Venen und eine Rückbildung evtl. vorhandener Stauuungsoedeme.

Wassergymnastik (Bewegungsbäder): In Ergänzung zu Schwimmtraining kann auch Wassergymnastik bei vergleichbarer therapeutischer Zielsetzung eingesetzt werden.

Fahrradergometertraining: In Ergänzung oder anstelle eines Laufbandergometertrainings kann auch ein Fahrradergometertraining durchgeführt werden. Neben den positiven Effekten auf das Herz-Kreislauf-System fördert die Muskelbeanspruchung bei der Fahrradergometrie auch die Beindurchblutung und trainiert die Wadenmuskelpumpe.

Lauftraining (Joggen): Sofern konditionell zumutbar, lässt sich auch durch regelmäsiges Lauftraining eine Verbesserung der Gefässfunktion bewirken.

 

Physiotherapeutische Massnahmen

Die Behandlung mit den vorerwähnten bewegungstherapeutischen Massnahmen kann durch gleichzeitige Anwendung physikalischer Therapien nachhaltig unterstützt werden.

Kohlensäurebäder: Befindet sich der Patient in einem Sprudelbad mit Kohlensäure, wird das gasförmige Kohlendioxid zu einem wesentlichen Anteil über die Haut resorbiert und ins Blut aufgenommen. In den Blutgefässen des Körpers bewirkt Kohlendioxid eine aktive Gefässerweiterung durch Erschlaffung der in den Gefässwänden enthaltenen Muskelfasern. Diese Gefässerweiterung kann in minderdurchbluteten Körperarealen eine Durchblutungsverbesserung bewirken. Neben arteriellen Durchblutungsstörungen können in einigen Fällen auch Venenerkrankungen, insbesondere venöse Beingeschwüre, von Kohlensäurebädern profitieren. In diesen Fällen bewirkt der hydrostatische Druck des Wassers eine Venenkompression bei gleichzeitig verbesserter lokaler Durchblutung.

Warme aufsteigende Armbäder nach Hauffe: Werden beide Arme in einem warmen Wasserbad einer ansteigenden Temperatur ausgesetzt, kommt es reflektorisch zu einer Gefässerweiterung in Armen und Beinen. Auf diese Weise kann eine Durchblutungsverbesserung bewirkt werden.

Wechselwarme Bäder: Durch wechselwarme Bäder kann die Reagibilität des Gefäss-Systems, d.h. die aktive Weit- und Engstellung der Blutgefässe, trainiert werden. Wegen der bei Kälte stattfindenden Gefässverengung kommen wechselwarme Bäder allerdings nur bei leichteren Erkrankungsstadien der arteriellen Verschlusskrankheit in Betracht.

Kalte Kneippsche Schenkelgüsse: Kaltwassergüsse können eine Verbesserung der Wandspannung (Tonisierung) in den Beinvenen auf dem Wege einer reflektorischen Engstellung der Venen fördern.

Wassertreten: Durch storchenartige Schreitbewegungen in kaltem Wasser wird zu einer Verbesserung der venösen Wandspannung (Tonisierung) beigetragen. Zusätzlich wird die Wadenmuskelpumpe trainiert.

Lymphdrainagen: Bei Lymphoedemen und venös verursachten Gewebsschwellungen kann die ausgetretene Gewebsflüssigkeit durch manuelle Lymphdrainagen schrittweise zur Rückbildung gebracht werden, indem die Transportkapazität vorhandener Lymphbahnen verbessert wird.

Kompressionsbehandlung: Bei Venenleiden und lymphatisch bedingten Gewebsschwellungen können die Effekte der Lymphdrainage durch zusätzliche Kompressionsbehandlungen nachhaltig unterstützt werden. Bei der manuellen Kompressionsbehandlung werden elastische Binden mit dosiertem Druck fachgerecht an den Beinen angelegt. Bei apparativer Kompressionsbehandlung wird das erkrankte Bein mittels Luftmanschetten komprimiert. Für die häusliche Selbstanwendung können weiterhin Kompressionsstützstrümpfe angepasst werden.

Die folgende Abbildung veranschaulicht die positiven Effekte einer Kompressionsbehandlung auf die Venenfunktion (modifiziert nach Geismar et al., 2007). Durch externe Kompression (gelbe Pfeile) und Anspannung der Muskulatur (M) wird der Durchmesser aller Venen verringert und der Venenklappenschluss verbessert. Der Knochen (K) dient hierbei als Widerlager vor allem für die tiefen Venen, der Muskel (M) überträgt den Kompressionsdruck auf die tiefen Venen bildet ein Widerlager für die oberflächlichen Venen.

 

Medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten

Bei fortgeschrittenen arteriellen Durchblutungsstörungen und Mikrozirkulationsstörungen können unter stationären Bedingungen verschiedene durchblutungsfördernde  Infusionstherapien durchgeführt werden. Wesentliche Substanzen sind Prostaglandinabkömmlinge, Plasmaexpander und Präparate, welche die Flexibilität der Erythrozyten (roten Blutkörperchen) steigern. Die Prostaglandinabkömmlinge sind bei Erfordernis auch intraarteriell, d.h. unmittelbar in die zugehörige Arterie infundierbar.

Neben diesen Infusionstherapien kann auch eine Einstellung auf verschiedene oral zu verabreichende Präparate vorgenommen werden, welche sich positiv auf den Zustand der Blutgefässe auswirken.

Bei Atherosklerose ist eine dauerhafte Behandlung mit Blutplättchen- hemmenden Substanzen (Thrombozytenaggregationshemmern) anzustreben, weiterhin mit modernen blutfettsenkenden Präparaten (CSE-Hemmern). Diese beiden Substanzklassen können bei atherosklerotisch bedingten Erkrankungen jeglicher Art nach heutigen Erkenntnissen eine wesentliche Prognoseverbesserung bewirken.

 

Verödung oberflächlicher Krampfadern

Falls bei umschriebenen Krampfaderbildungen keine operative Entfernung angestrebt wird, kann mittels Verödung (Sklerosierung) eine Rückbildung bestehender Krampfadern bewirkt werden. Zu diesem Zweck wird ein Verödungsmittel in die betreffende Krampfader injiziert. Dieses führt über eine Entzündungsreaktion zu einer Verklebung der Gefässwände.

 

Akutklinische Therapieverfahren (ausserhalb der Behandlungsangebote unserer Klinik)

Gefässchirurgische Massnahmen: Bei akuten Gefässverschlüssen bzw. fortgeschrittenen Gefässverengungen können verschiedene gefässchirurgische Behandlungsverfahren in Betracht kommen. Bei der Thrombendarteriektomie (TEA) wird das Gefäss eröffnet, das thrombotische Material entfernt und die Gefässwand hernach wieder vernäht. Bei der Gefässbypassanlegung wird eine Gefässprothese zur Überbrückung eines Gefässverschlusses operativ eingesetzt. Fortgeschrittene Krampfadern sollten ebenfalls chirurgisch angegangen und operativ entfernt werden.

Interventionelle Massnahmen: Bei interventionellen Therapien werden Gefässveränderungen mit Kathetertechniken behandelt. In Betracht kommt eine Ballonerweiterung (perkutane transluminale Angioplastie, PTA) und / oder eine Stent-Implantation (Einbringung einer offenhaltenden Gefäss-Stütze).

Lysetherapien: Hier werden unter Intersivüberwachung bestimmte Medikamente (Fibrinolytika) in den Blutkreislauf, ggf. auch unmittelbar in das betroffene Gefäss eingebracht, welche vorhandene frische Blutgerinnsel auf pharmakologischem Wege  auflösen können. Wegen hierbei bestehender erhöhter Blutungsgefahren erfordert eine solche Lysetherapie eine intensive klinische Patientenüberwachung.

 

Bei entsprechender Behandlungsbedürftigkeit können Patienten unserer Klinik jederzeit kurzfristig in geeignete, mit den jeweiligen Behandlungsverfahren vertraute Akutkliniken verlegt werden.

 

Prinzip der invasiven bzw. operativen Behandlung
von Gefäßverengungen am Beispiel einer Verengung 
der Oberschenkel-Schlagader (mod. nach Todd)
Stent rechts oben
Bypass rechts unten

 

Copyright: Prof. Dr. Piper, Meduna-Klinik, 56864 Bad Bertrich,
   Tel.: 02674 / 182 0,  Fax: 02674 / 182 3182